Potter's Poems - Lyrik aus der Töpferstadt
"Potter's Poems" entsteht in der Töpferstadt Ochtrup und beschäftigt sich mit Gedichten. Vor allem geht es um Haiku, der kompaktesten Form von Lyrik. Das Haiku-Schreiben hat seinen Ursprung im alten Japan. Heutzutage wollen ungezählte Menschen weltweit kurz und knapp einen bemerkenswerten Moment vergegenwärtigen – und im Leser das entstehen lassen, was Worte nicht sagen können oder sollen. Wer sich für weitere Verse, Autoren und Hintergünde interessiert, möge nebenstehende Web-Seiten oder mein englischsprachiges haiku-pupil besuchen. Darüber hinaus lade ich ein zu Haiku from German Tongues und zu Kukai 2010, einem deutschsprachigen Haiku-Wettbewerb.
Ralf Bröker
PS: Weitere Informationen bietet auch dieser Text der Deutschen Haiku Gesellschaft.
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Verfasst am 18.05.2012 03:10:48 Uhr
Elternsprechtag –
das Kreischen
der Kreide
Haiku hier und heute, Mai 2012
Valentinstag
YouPorn löschen
in der History
Chrysanthemum 11
Schülerturnier
der Elfmeterkiller nimmt
die Prämie mit Senf
Haiku heute, Mai 2012
nach dem Ritzen
hört sie dem Schnee zu
Haiku heute, April 2012
Neuwagengeruch
er macht ’n Knoten
ins Kondom
DHG-Haiku-Wettbewerb 2012
Mitternacht im Zelt ...
die Drei vom Detektivclub
flüstern sich Mut zu
Forum Romanum
alle suchen
Toiletten
Kolosseum
eine Mutter streicht
das Taschengeld
Leonische Mauer
die billigste Figur
Jesus
auf dem Becher ihr Name in meiner Hand
Regler ins Weiß, Haiku Jahrbuch 2012
Mutter kam später
Und wie sie so vor ihrem Glas sitzt und von früher erzählt. Von der Flucht aus Schlesien, gemeinsam mit dem Knecht. Sie drei Jahre alt, die Jüngste von Fünfen und auch der Bursche erst 14. Wie die Kugeln pfiffen und die Tornister durchschlugen. Wie sie das Münsterland erreichten, zu fremden Leuten auf den Hof: Das sollten Verwandte sein. Die Mutter kam später. Mit ihr sprach kaum einer. Sie war doch so lange bei den Russen gewesen.
Zu essen gab es nicht viel, Arbeit aber mehr als genug. Schlechte Nachrichten auch, vor allem die vom Vater, dass er den Hungermarsch nach Sibirien nicht überlebt habe. Da habe sie das Pferd genommen, das ihnen nicht gehörte, aber sie hatte ihm den Namen gegeben: Auf Stern ritt sie fort, den Vater zu suchen. Bestimmt würde er auf sie warten. An diesem Wolgastrand.
Als die Mutter wieder heiratete, kam sie zu Bekannten, die keine Kinder hatten. Die seien ein rechter Segen gewesen und hätten sehr darauf geachtetet, dass sie genug aß und gescheite Anziehsachen bekam. Sogar Mittlere Reife durfte sie machen – und war von da an für ihre Familie „die aus der Stadt“.
Die Halbwaisenrente blieb zu Hause, aber immerhin: Sie durfte Krankenschwester werden. Die Pflegeschule war eine so schöne Zeit. Auch wenn sie nie mit ging zum Eis essen.
Sie haben geheiratet und zwei Kinder bekommen. Bald arbeitete sie wieder im Nachtdienst: neun Tage Dienst, fünf Tage Zeit für Haus und Garten. Ihr Mann starb, bevor sie die Rente durch hatte.
Und jetzt erzählt sie stolz von ihren Enkeln und dass sich ihre Tochter und ihr Sohn so intensiv um ihre Familien kümmerten.
Nein, keine Blume.
Das möge sie am liebsten.
Richtiges Leckbier.
haiku.de und Sommergras 96
Verfasst am 10.03.2012 14:46:53 Uhr
auf der Treppe
wispern zwei ...
Wichteltauscher
kurz vor der Abfahrt
und der Torwart
steht abseits
Sommergras 96 März 2012
nach der Kirche
ein Kreuz machen
in den Rosenkohl
Haiku heute Januar 2012
Verfasst am 02.01.2012 11:51:43 Uhr
im Büro
das Passwort
am Strand
unter Wolken
gen Süden
das V
schiebt die Ente
über den Teich
Auflösen
Schweißperlen
auf seinem Hornbrillenglas
mein Zahlentableau
"Systematisches Fundraising ..."
... male Frösche
Wochenende
das Navi umstellen:
schöne Landschaft
im Schatten
des Felsens - ein Stern erzählt
von guter Küche
Rosenschaum schmilzt
zu Nebelschwaden
weißer Jasmin
Mondlicht atmet
mit deiner Haut
RB: 1, 3, 5/Claudia Brefeld: 2, 4, 6
Sommergras 95 Dezember 2011
Das Rengay "Auflösen" erschien außerdem auf Claudia Brefelds artgerecht & ungebunden.
Verfasst am 19.11.2011 21:19:14 Uhr
Aus Haiku heute, Ausgabe November 2011
Neuerscheinung: Ralf Bröker hat ein eBuch (pdf-Format) mit Haiku-Skizzen veröffentlicht: Seine Blätter.
„Entstanden in den Jahren 2010 und 2011, beschreiben „Seine Blätter“ eine Reise, wie sie viele Menschen erleben: Ausgebrannt hoffen sie auf einen Neuanfang in einer psychosomatischen Klinik und arbeiten hart für eine gute Zeit nach ihrer Rückkehr. Angelehnt an die Traditionen japanischer Kurzlyrik wollen diese Haiku-Skizzen nicht alles sagen, sondern Raum geben für eigene Assoziationen.” (Ralf Bröker im Nachwort)
Ein Klick auf den unteren Verweis öffnet das Buch:
Seine Blätter
Kolosseum
eine Mutter streicht
das Taschengeld
Leonische Mauer
die billigste Figur
Jesus
Haiku heute Oktober 2011
Verfasst am 17.10.2011 23:45:33 Uhr
Mitternacht im Zelt ...
die Drei vom Detektivclub
flüstern sich Mut zu
Haiku heute Oktober 2011
Urlaubsflirt –
nur die Fischer warten
auf die Flut
Brunnenblick
ihre fließende Bewegung
eingefangen
fotohaiku.com Mai 2011
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